Kuratorische Notiz


Composting the Universe ist ein außerdisziplinäres Ausstellungsprojekt. Es strebt an,

zu kom-postieren¹: mit (com) dem zu sein, was später (post) kommt. Wie können wir heute mit der Zukunft denken? Und wie kann aus vergangenen Ereignissen ein Sediment werden, auf dem wir uns eine Zukunft vorstellen können, unabhängig von einer positiven oder negativen Interpretation dieser vergangenen Ereignisse?

Das Gebiet des b-05 wurde in Zeiten des Kalten Krieges angelegt, heute ist es ein Naturschutzgebiet. Die Möglichkeiten der Apokalypse haben die Menschheit seit jeher begleitet. Oder: Nach dem Kalten Krieg, Globale Erwärmung². Wir wollen Wege ausprobieren, wie wir mit diesem konstanten Moment der vorübergehenden Zerbrechlichkeit umgehen können.

Dazu betrachten wir die miteinander verbundenen Veränderungen, die in unseren Technologien, unseren Hierarchien, unserer Kommunikation, unseren Körpern, unserem Verhältnis zur Natur und unseren Zukunftsvorstellungen stattfinden. Durch die Kompostierung dessen, was "da" ist, können wir mehrere Möglichkeiten dafür finden, was "hier" sein wird. Je mehr mögliche Perspektiven wir haben, desto wahrscheinlicher können sie ein Universum bilden. Verknüpft mit den Aspekten von Instandhaltung und Betreuung in der Kom-postierung sehen wir diese Arbeit als die meist unbeachtete, un(ter)bezahlte Pflegearbeit.

Im kuratorischen Team wollen wir uns mit dem Begriff curare - sich kümmern/sorgen - verbinden. Für die Ausstellung stellten wir einen Rahmen zur Verfügung: den Raum, den wir vom b-05 bekamen, den Zeitrahmen sowie die Organisations- und Kommunikationsarbeit. Aufgrund finanzieller Instabilität und begrenzter Energieressourcen baten wir die Künstler*innen, für ihre Reiseorganisation und ihren Aufbau verantwortlich zu sein und im schlimmsten Fall für die eigenen Kosten aufkommen zu können. Es versteht sich von selbst, dass dies nicht der ideale Zustand ist, den wir suchen, da wir damit lediglich einen geläufigen Umstand der Kunstproduktion neu erfinden. Wir freuen uns, dass wir die Verbindung zu den Künstler*innen aufrecht erhalten konnten, während wir mit Sponsor*innen verhandelten, die uns tatsächlich ein finanzielles Sediment zur Verfügung gestellt haben. In diesem Zusammenhang danken wir herzlich dem Team des b-05 für seine Unterstützung und für die Betreuung der Ausstellung während der Öffnungszeiten.
Während wir bewusst und transparent mit Produktionskontexten in der Kunstwelt (und anderswo) umgehen wollen, würden wir uns wünschen, dass die Ausstellung eine Plattform für futuristische soziale und künstlerische Konzepte wird. Wir haben Künstler*innen eingeladen, die wir aus verschiedenen Kontexten kennen, um ein loses Netz von assoziativen Verbindungen zu ihren Werken sowie zu ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten und Herangehensweisen an die Arbeit im Kunstbetrieb zu bilden. Wir freuen uns darauf, sie gemeinsam im Wald des b-05 zu sehen und auch Euch, das Publikum, zu treffen.

Fußnoten:
1 Donna Haraway in der Einführung von Staying with the trouble (2016).
2 After Cold War, Global Warming, Zitat auf der großformatigen Wandinstallation Recession (2008) von Dan Perjovschi im Ludwig Forum Aachen.

Curatorial Note


Composting the Universe is an outerdisciplinary exhibition project. It seeks to com-post¹: to be with (com) what comes later (post). How can we think with the future today? And how can past incidents become a sediment on which we can imagine a future, irrespective of a positive or a negative interpretation of these incidents? The area of b-05 was established in times of the Cold War, now it's a natural reserve. The possibilities of the apocalypse have always accompanied humanity. Or: After Cold War, Global Warming². We want to test ways of handling this constant moment of temporary fragility.
Therefore we are concerned with the interconnected changes that happen in our technologies, our hierarchies, our communication, our bodies, our relation to nature and our views on the future. By com-posting what is "there", we might find multiple possibilities of what will be "here". The more possible perspectives we have, the more likely they can form a universe. Connecting with the notion of maintenance in com-posting, we see this work as the usually disrespected, un(der)paid work of care.

In the curatorial team, we want to connect to the notion of curare - to care. We provided a frame: the space that we got provided from b-05, the time frame and the work of organization and communication. Due to financial instability and limited power ressources, we asked the artists to be responsible for their travel and build-up, being able, in worst case, to pay for their own costs. Needless to say that that this is not the ideal state we are looking for as we solely reinvent a common circumstance of art production. We are happy that we could maintain the bonds with the artists during the negotiation with sponsors who did provide us with a financial sediment to work with. In this context we would like to thank the team of the b-05 for their support and for the maintenance of the exhibition during the opening hours.

Being aware of and transparent with the production contexts in the art world (or anywhere else), we would love the exhibition to be a platform for futuristic social and artistic concepts. We invited artists that we know from various contexts to form a loose net of associative connections with their works as well as with their different persona and approaches to working in the art field. We are looking forward to seeing them together in the forest of b-05 and to meet you, the audience, as well.

Footnotes:
1 Donna Haraway in the introduction of Staying with the trouble.
2 Quote of the huge wall installation Recession (2008) by Dan Perjovschi at Ludwig Forum Aachen.